Warum wir unsere Schattenseiten brauchen

By 1. November 2013Allgemein

Wer dürfen wir sein?

Alle Menschen haben Schattenseiten. Auch Sie, auch ich, Ihre Freunde, Geschäftspartner oder Ihre Familie. Jeder von uns verfügt über Eigenschaften, die ihm nicht unbedingt gefallen. In einigen Fällen denken wir, ein Hauch davon wäre in Ordnung. Aber (zu) heftige Wut, Missgunst, Trägheit, Angst, Bewertung, Unentschlossenheit – um einige Beispiele zu nennen – beeinflussen unser Leben nun mal. Und bringen uns immer wieder zu der Frage: “Warum bin ich so?” Doch wer wären wir, wenn wir uns ausschließlich durch unsere  “Wunschbrille” sehen? Alle Ecken und Kanten einfach so abstreifen könnten und so tun würden, als seien sie gar nicht da?

Selbst wenn es Wesenszüge, Muster und Erfahrungen gibt, die wir gerne verleugnen würden und aufgrund derer wir uns schlecht und egoistisch fühlen, machen sie uns dennoch aus. Ist ein verbissener oder auch mal neidischer Moment über den wir uns ärgern oder wegen dem wir uns gerne verkriechen würden, nicht gerade DER Moment, der uns zu Höherem antreibt? Der Moment, der uns aus unserer Komfortzone herausschießt? Natürlich wollen Sie sich am liebsten von Ihrer besten und edelsten Seite zeigen und sich aus einer “gesunden” Motivation heraus weiterentwickeln. Aber wie wichtig ist es Ihnen, dabei auch authentisch zu sein?

Verurteilen Sie sich nicht, wenn Sie Wut spüren oder Eifersucht. Wenn Sie Neid empfinden, oder Ungerechtigkeit. Wenn Sie mal einen verletzenden Satz gesagt oder aus Sturheit eine unbedachte Entscheidung getroffen haben. Stellen Sie sich selber nicht in Frage. Machen Sie vielmehr eine Pause. Gönnen Sie sich den Luxus und nehmen Sie sich Zeit für sich.

Hören Sie nicht weg. Hören Sie hin.

Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre und schenken Sie Ihren Gedanken volle Beachtung. Was wollen diese Ihnen mitteilen? Wofür steht Ihr Gefühlsausbruch, Ihre Verletzung, Ihre Missstimmung eigentlich? Diese Gefühle stehen für Ihre Bedürfnisse. Sie wollen Ihnen etwas mitteilen. Und weder wollen sie unterdrückt noch kontrolliert werden.  Kontrolle nimmt in unserer  Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein, da kontrollierte Menschen eher als souverän, erwachsen und klar wahrgenommen werden. Um einer von “ihnen” zu sein, unterdrücken wir oft unsere Gefühle und Emotionen oder werten diese ab, indem wir sie verleugnen. Doch genau diese unbeherrschten Gefühle sind es, die Ihnen neue Wege eröffnen können. Wege, die Sie vermutlich innerhalb Ihrer Komfortzone nicht wahrgenommen hätten.

Nehmen Sie sich ernst. Mit all Ihren Sonnen- und auch Schattenseiten. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen und bewerten Sie sich nicht. Sie sind einzigartig, genauso wie Sie sind, weil Sie so sind. Achten Sie vielmehr auf Ihre inneren Impulse. Nehmen Sie jede noch so kleine Veränderung in Ihnen wahr – ohne diese gleich zu bewerten. Und schon bald werden Sie nicht nur hören, sondern auch verstehen, was Ihre Gefühle Ihnen mitteilen wollen.